Aktion Überwach, was willst du?

Die Aktion Überwach! will nicht nett sein, sie will provozieren, denn sie ist, wie ihr Vorbild, die geplante Vorratsdatenspeicherung (VDS), absolut kritikwürdig, und das an vielen verschiedenen Punkten und sollte deshalb feinsäuberlich seziert und beurteilt werden.

Wenn Sie nur gefällt, läuft etwas mächtig schief.

Deshalb finde ich die Kommentare, Verbesserungsvorschläge und Diskussionen, die bisher in zahlreichen Blogs entbrannt sind extrem wichtig, aber momentan nicht immer sehr hilfreich. Es fehlt mir bisher bei der Kritik und dem Versuch der Einordnung zuweilen die Substanz, die auch für Ottonormalverbraucher nachvollziehbare Sachlichkeit und vor allem die Behutsamkeit. Ein einfaches Abkanzeln ist nicht förderlich – dazu geht es um zu viel und das ganze Thema ist sicherlich in seiner ethischen, rechtlichen, sozialen, politischen und technischen Dimension komplex genug um tiefer schürfen zu müssen.

Allerdings find ich ein einfaches Befürworten und Mitmachen an der Aktion ebenso wenig förderlich wenngleich ich es gut finde, dass so viele von euch mitmachen. Jeder der dabei ist, muss wissen was er da tut und warum er das tut und ich wünschen mir, dass dies von euch auch zum Ausdruck gebracht wird, wie es einige bereits gemacht haben.

Es gibt bereits auch zahlreiche Verbesserungsvorschläge für die Umsetzung, die mir absolut sinnvoll und notwendig erscheinen. Dazu zählt die Vorfilterung, so dass nur die relevanten Daten tatsächlich übertragen werden. Auch der Hinweis auf die Teilnahme in Form des kleinen Buttons ist bisher zu unscheinbar und das wurde zurecht kritisiert. Ich plane im Falle einer Protokollierung einen zusätzlichen Hinweis zu integrieren, der den Hinweisbalken nachempfunden ist, die bei Webbrowsern inzwischen üblichen sind. Eine technische Umsetzung ist in Arbeit und wird die kommenden Tage verfügbar sein.

Übrigens ist die VDS alles andere als eine Erfindung von Bundesinnenminister Schäuble oder Bundesjustizministerin Zypries. Es ist handelt sich vielmehr um eine Europäische Richtlinie die zügig auch hier in Deutschland in nationales Recht umgesetzt werden soll und dann schon zum 1. Januar 2008 in Kraft treten könnte. Vermutlich wird das Gesetz bereits zur Sommerpause beschlossene Sache sein.

Es bleibt also wenig Zeit und doch glaube ich nach wie vor daran, dass sich die Gelegenheit bietet, anhand der Aktion Überwach! auch in Ruhe:

  • exemplarisch zu vermitteln wie einfach Überwachung funktionieren kann,
  • aufzuklären über den verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen Daten und auch den Daten anderer (gerade wenn sie personenbezogen sind),
  • klar und deutlich aufzuzeigen, welche Grenzen es im Hinblick auf Privatsphäre geben muss,
  • allgemein Datenschutzkompetenz bei Websitebetreibern, Bloggern und Websitebesuchern zu fördern.

27 Kommentare zu “Aktion Überwach, was willst du?

  1. Das Problem ist IMHO ein Konstruktionsfehler, der nicht so einfach zu verbessern ist.

    Ein Ziel ist zum Beispiel Provokation. Aber wer wird denn provoziert? Nicht die Bundesregierung, und auch nicht die Öffentlichkeit, die von den Regierungs-Vorhaben kaum etwas weiß, bzw sie nicht einordnen kann. Stattdessen erfährt nur der recht exklusive Kreis der Aktivisten und Blog-Leser davon – die wissen es aber schon. Provoziert werden hingegen die Leute, die es mit Datenschutz wirklich ernst meinen.

    Ein Dialog wird auch nicht erzeugt. Das ist aber höchst wichtig bei solchen Aktionen. Auch der Big Brother-Awards bemüht sich immer mit viel Arbeit von den Betroffenen Stellungnahmen zu bekommen. In diesem Fall prangert eine kleine Gruppe etwas an und der Kritisierte wird es wahrscheinlich nicht mal mitbekommen.

    Wie wenig Substanz die Aktion hat, zeigt sich auch an der Auswahl der „Verdächtigen“. Jemand vom Bundesgesundheitsministerium hat mein Blog gelesen. Wow. Im Zweifel wird der Betreffende es dann einfach nicht mehr lesen. Und die Beteiligten können versuchen diesen Datenmüll zu interpretieren, der exakt nichts über staatliche Überwachung aussagt.

    Insofern sehe ich eher gegenteilige Effekte: Statt Kompetenz wird nur Konfrontation gefördert, die Demonstration der einfachen Überwachung verkehrt sich ins Gegenteil und die Grenzen der Privatsphäre werden verwischt statt herausgestellt.

  2. Dazu zählt die Vorfilterung, so dass nur die relevanten Daten tatsächlich übertragen werden.

    Finde ich sehr gut, dass Ihr diesen Kritikpunkt mit auf Eure ToDo-Liste gepackt habt.

    Auch der Hinweis auf die Teilnahme in Form des kleinen Buttons ist bisher zu unscheinbar und das wurde zurecht kritisiert.

    Sieht man ja auf Eurer Seite sehr gut. Um überhaupt den Button zu finden, muss man ganz nach unten scrollen und dann fällt er eigentlich neben den anderen Badges auch nicht weiter auf.

    Kleine Anmerkung vielleicht noch: vielleicht erstellt Ihr auf der Überwach-Website eine Art Kompendium, in dem für die Nicht-Technik- oder Blog-Freaks der Sachverhalt dargestellt wird? Klar ist das eine Menge Arbeit, aber ohne den unbedarften User an die Hand zu nehmen und ihm in seiner Sprache zu erklären was das Ganze soll, wird sich kaum einer dafür interessieren.

    Ich wünsche Euch viel Glück!

  3. Ein Dialog wird auch nicht erzeugt.

    Daher sollte man die Website hinter der Aktion mit massig Infos und Diskussionen aufbohren. Und am Besten die Übertragung der IP-Adressen komplett einstellen.
    Einfach einen Banner, der immer grellrot markiert, dass man überwacht wird. Link auf die Seite, um sich zu informieren und gut ist. Damit sensibilisiert man auch die, die man eigentlich erreichen möchte: den gemeinen User.
    Wenn sich wirklich jemand aus einer staatlichen Quelle für den Inhalt eines Blogs interessiert, dann wird er sich eher ins Fäustchen lachen, wenn ihm angezeigt wird, dass er überwacht wird.

  4. @Torsten: das kann nur gut sein, wenn auch die proviziert werden, die sich mit der thematik tagein tagaus beschäftigen. das sind auch die, die ganz gezielt das ding haargenau auseinandernehmen könnten und sagen könnte was daran faul ist und auf die auch gehört werden würde, weil sie damit kompetenz zeigen. aber leider wird bisher drauf gezeigt und sich teilweise nur verächtlich geäußert. ich kann diese reaktion zwar nachvollziehen, weil es sicherlich schwer ist aufzuklären und gehört zu werden, aber es ist ja schon fast resignation. dabei finde ich, es wäre eine chance, weil die möglichkeit besteht jetzt gehört zu werden… und damit nicht die konfrontation zu suchen.

    wenn man darüberhinaus überhaupt von zielgruppe sprechen kann, dann zielt das ganze nicht allein nur auf den mitarbeiter im ministerium ab, sondern auch auf die handelnden personen (die sich an der aktion selbst beteiligen), denn die kommen nicht umhin sich mit dem was sie anprangern und was sie gleichzeitig tun auseinanderzusetzen.

  5. @ Dataloo

    Abgewartet, reflektiert, nachgedacht, neuen Beitrag verfaßt und die Diskussion (hoffentlich), in ruhigere Bahnen gelenkt.

    Die Blog-Community (nochmal hoffentlich) angeregt mit zudiskutieren und nicht einfach alles so hinzunehmen.

    Bravo.

    @ Torsten

    Ja, es wäre gut wenn, die Diskussion über die Blogosphäre hinaus getragen würde.

  6. Ich habe zwar momentan sehr sehr viel um die Ohren, würde aber, wenn das Projekt sich mehr in die Aufklärungsschiene rutscht, gerne meinen Teil (eher die technische Seite als die politische) dazu beitragen. E-Mail-Adresse habt Ihr ja, wenn Not am Mann ist.

  7. kleine korrektur: die vds ist sehr wohl auch auf dem mist der deutschen regierung gewachsen. nachdem sich der bundestag aber dagegen ausgesprochen hatte, und praktischerweise in england die busse in die luft fliegen ist das durch die mitgliedsstaaten auf eu-ebene massiv forciert worden. hautpsaechlich durch die briten, aber auch durch die deutschen

  8. OT: und wo sind die kommentare zu: Stasi 2.0: Symbole, Slogans und Aktionen hinverschwunden?!

  9. äh.. mal ne blöde zwischenfrage:

    wieso trackt ihr die IPS von Miniterien und legt dann einen link zu deren webseite??? ich finde da sollten eine menge infobildchen dem gemeinen user mal arklären was ne ip oder dahinter steckt.

    Ferner : was ist mit wechselnden IPs und was bitte hat das tracking mit der vorratsdatensepeichrung zu tun? daraus läßt sich doch für den betrachter nichts ableiten. Wo ist der bezug zur persönlichen einschränkung und überhaupt, wieso schleicht sich bei mir so ein gefühl der unlogik beim betrachten der ganzen aktion ein?

    ich würde mir auf jeden fall eine menge infografiken und erklärungen wünschen die ich optisch gut vom hintergrund getrennt ohne scrollen erreichen kann.

    UND ganz klar mehr sinn für mich! wieso verpasst ihr den usern nicht nen coockie oder trojaner LIGHT und fordert sie mal auf damit mal nen tag lang zu surfen. um sich dann eine persönliche statistik bei euch abzuholen, am besten mit noch mit keylogging. ich glaube der schock sitzt viel tiefer. am besten wär dann noch so ein gefakter Button nebst text „das löschen ihrer daten ist leider nicht möglich und wird unverzüglich ans bundesministerium für innes CIA FBI BKA.. bla GOOGLE, FINANZAMT, und ihre/n Ehefrau/mann zur weiteren analyse weitergeleitet.“

    wie schon torsten sehr präziese formulierte: es wirkt in die falsche richtung.

  10. @blacky{Bla}: die infos und graphen kommen. danke für die tipps. daraus wird dann auch ersichtlich wo bei dem ganzen vorgang die sog. verkehrsdaten anfallen, was wiederum teil der vds ist, allerdings in diesem fall exemplarische und extrem eingeschränkt auf einen vergleichweise kleinen teil der möglichen verkehrsdaten (man denke nur an das festnetztelefon, handy (mit lokalisierung!), voip, email,weitere internetprotokolle, etc)…
    ein cookie läßt lediglich erkennen ob ein wiederholter zugriff stattfindet – auch interessant und auch schon auf der liste – was eine trojaner LIGHT sein soll ist mir allerdings ein rätsel…
    die idee, daß ein experiemntierfreudiger user sich auf eine datensammeltour einläßt finde ich vom ansatz her gut – könnte man evtl. mit einem firefox-plugin am besten umsetzen, daß genau die anfallenden daten mitloggt und am ende des tages die tourdaten ausgewertet präsentiert – wäre aber ein neues projekt….

    alles in allem geht es um sensibilisierung: wie gehe ich mit eigenen und den daten von anderen um?

    @macke: ein wordpress-plugin machte probleme – sollte wieder gehen…

  11. > allgemein Datenschutzkompetenz bei Websitebetreibern,
    > Bloggern und Websitebesuchern zu fördern.

    Indem du selber alles protokollierst und speicherst? Nicht nur von den Besuchern deiner Webseite, sondern auch von den ganzen Mitbacher-Webseiten. Und das „für immer“. *augenroll* Damit machst du dich absolut unglaubwürdig.

    Überzeugend wäre es, wenn du deinem Apache, WordPress usw. das Protokollieren abgewöhnst. Siehe http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/No-IP-Retention (Aktion in Vorbereitung). DAS fördert Datenschutzkompetenz und hilft ganz konkret den Besuchern deiner Webseite.

  12. @foo:

    vergiß bitte nicht, daß die daten zum protokollieren von den teilnehmenden blogs und websites stammen. dein aufruf müßte also eher so lauten:

    „Überzeugend wäre es, wenn IHR EUREM Apache, WordPress usw. das Protokollieren abgewöhnt.“

    das thema no-ip-retention gab´s übrigens hier auf dataloo auch schon mal.

  13. @dirk: Nein, bitte ablenken. ;) DU sagtest, DU willst „Datenschutzkompetenz fördern“. Und zwar indem DU eine Aktion startest, die mal locker flockig gegen eine ganze Reihe von Datenschutzprinzipien verstößt.

    Dass dir die Teilnehmer/innen der Aktion Überwach dazu die Daten in den Rachen werfen, ist auch schlimm, soll dich aber nicht aus der Verantwortung entlassen.

    Wenn du es ernst meinst, dann gehe DU mit gutem Beispiel voran!

  14. @foo

    Mit gutem Beispiel vorangehen ist ein guter Ansatz – notiert.
    Welche Datenschutzprinzipien meinst du?

  15. Pingback: Stefans Home
  16. finde die Uberwach idee super. Schön wäre es, wenn es noch ein andres unsichtbares bild geben würde was man einbinden könnte.. so 1×1 pixel..

  17. Hier ein Aufruf an alle Minderjärige, die noch im elterlichen Haushalt leben:
    Solltet Ihr mitbekommen, wie Eure Eltern schlecht über unseren, über alles verehrten Herrn Innenminister reden, ihn kritisieren oder jegliche negative Meinung gegen sein ehrenvolles Vorhaben, unser wunderbares Land gegen Feinde im Innern zu bekämpfen aufweisen, dann tut bitte im Namen des Landes Eure Pflicht und meldet es den zuständigen Behörden. Sie und auch unser grossartiger Innenminister werden es Euch danken!

  18. Hallo, habe diese Seite gerade entdeckt. Grundidee finde ich klasse. Zur Diskussion sage ich mal nichts.

    Na, also, es geht doch: Vorratsdatenspeicherung und sogar auf freiwilliger Basis! Weiter so!

    Frank H. Wolf

  19. Hi Humans !
    Ich persöhnlich finde alle kreativen, nicht durch Institutionen und Regularien kompromitierten Aktionen des Wiederstandes gut.
    In einem einzigen Punkt, gebe ich aber den vielen Kritikern recht !
    Jeder, der sich informieren oder beteiligen möchte, sollte detailierte Informatonen zum Vorgang und Funtion des Projektes bekommen !
    Weiterhin viel Freude und Motivation beim digitalem Ungehorsam !
    Ciao !

  20. Klasse Aktion, aber ohne Vorfilterung schießt sich die Argumentation selbst ins Knie. Ich würde das gerne bei mir Einbinden und vor allem andere darauf hinweisen, sich zu beteiligen, aber in der jetztigen Form geht das nur bedingt. Eine Abfrage IF (IP in Liste) then { GRAFIK von ueberwach } ELSE { lokale Grafik } dürfte doch nicht so schwer sein.

Kommentare sind geschlossen