Moderner Strassenkampf
Wenn ich die Kastenienallee entlang geh, dann sind die öffentlichen Flächen oft voll wie Supermarktregale mit netten, coolen, glänzenden, subversiv schreienden Schauherkonkurrenten. Da ist die S*i*l*b*e*r*m*o*n*d-Aktion nicht die einzige:




Ich finds schade, daß sich kommerzielle Werbung zunehmend der gleichen Sprache bedient und vor allem den gleichen Raum in Beschlag nimmt, der bisher mehr von politischen, kulturellen und pupertären Themen geprägt ist/war. Ich frag mich allerdings, ob Werbeinhalte dadurch wirklich ehrlicher und authentischer werden als bloß im offensichtlich definierten “Achtung Werbung”-Rahmen der Billboards und Werbetafeln. Vermutlich liegts einmal mehr daran, daß die gleichen Leute an beidem beteiligt sind – am Ausverkauf der selbst inszenzierten Kultur…
Also was soll´s? Das ganze dient wohl alles dem Prinzip Aufmerksamkeit: eine Schablone als Hop, damit andere drüber reden (wie wir jetzt), auch gerne durchs (rechtliche?) Anecken = einem Skandal, denn bad news are good news = news überhaupt.
Ich frag mich grundsätzlich, ob zb Demonstrationen gegen zb McDonalds (meist visuell begeitet durch durchgestrichene oder karrikierte Logos) in ihrer Richtung stimmig sind – schließlich bringt´s dem Angefeindeten Aufmerksamkeit – egal welcher Qualität, ob gut oder schlecht – die Blickrichtung bleibt die gleiche. Besser für etwas als gegen etwas und unter diesem Mantel erst mit dem Finger auf die Rückständigen zeigen…
Werbung im öffentlichen Raum geschieht hier gerade in großer, medienübergreifender Durchdringung inkl. Pseudokunstwerk am Potsdamerplatz. Und – nein – es ist keine neue Zeitschrift und kein neuer Kaffee. Es geht einfach nur um Volvos - und ein Freund hat zu Recht bemerkt: schon frech mit Natur & Stille für ein Auto zu werben, daß nur Dreck & Lärm macht. Alle auf der Wellnesswelle der emotionslosen Gesellschaft. Alles nur für Geld.
Doch: der wache *User* wird sich davon nicht *kriegen* lassen. Jeder muß (nicht aus Pflicht, sondern zur Befreiung) für sich selbst rausfinden, was er davon hält. Und nur “cool finden” akzeptiere ich nicht als Haltung.
Wenn ich mir jetzt nochmal ganz kurz versinnbildliche, wie die Kastanienallee ohne Plakate, Aufkleber, etc aussehen würde – no logo – so erschreckend leer, aber frei. Wobei ich mir gerade nicht sicher bin, was mehr inspirierend wirkt – alles oder gar nichts? Eins ist jedoch sicher – nur Werbung allein macht muntere Geister müde – das kann jeder gern in Städten wie München oder gleich umme Ecke in Charlottenburg erleben… und doch bringt ein Spruch wie “Die Zukunft ist weiblich” meine Zellen wesentlich netter in Wallungen als ein schnöder HaveANiceDayBonJovi-Aufkleber.







26. April 2006 um 17:43
Hab da grade mal den Link von Fell.de auf Feel.de geändert, bin sicher das war in deinem Sinne.
26. April 2006 um 21:44
haha – danke! ja!
2. Mai 2006 um 10:17
war gerade auf fell.de. schoener zufall, dass die ihr logo auch hochkant auf die website kleben. wer hat da wohl wen inspiriert?
5. September 2006 um 15:26
Nett ist auch http://www.fels.de. Da gibts Kalk fürs Leben!
15. November 2006 um 19:58
[...] Ich bin ja selbst erst durch die Medienberichterstattung und die lodernde Prozesswelle von unfreiwilligen(?!) Darstellern neugierig auf den Film geworden. Wie man sich auch beim Film oft unsicher ist ob das jetzt dokumentarisch oder inszeniert ist, so frage ich mich das auch bei der Borat-Berichterstattung in den Medien: Sind die angetrunkenen Studenten wirklich sauer (und wollen Geld) oder ist die laufende Klage dann doch nur ein geplanter Schachzug der Marketing-Agentur hinter Borat? Auch dass ein Verband der Roma und Sinti klagt, eine TV-Produzentin (die Borat in eine Morgenshow einlud) gekündigt wurde und die Regierung von Kasachstan stinksauer offizielle Erklärungen abgibt um das Ansehen des eigenen Landes zu retten, ist eine wunderbare Werbung für den Film und gießt weiter Öl in die Hype-Flammen. Selbst die offizielle deutsche Borat-Seite von 20th Century Fox mit der schrecklichen deutschen Synchronfassung (VORSICHT!) zeigt den Trash-Charakter des Marketings den man konsequent auf allen Kanälen umsetzt: In Australien tauchen gesprühte Graffitis auf, während in den Strassen Berlins wild plakatierte Schablonengraffitis (Stencils) von Borat hängen (z.B. das, dieses oder das hier). Alles keine wirklich offiziellen und bezahlten Werbemittel, sondern mehr ein kommerzieller Einbruch in den öffentlichen Raum. Das Borat-Marketing ist wirklich beeindruckend: so findet man Borat auf MySpace und zahlreichen „unoffiziellen“ Fan-Seiten. Klar, der losgetretene Hype motiviert natürlich die Fans zu zahlreichen Aktivitäten im Internet und auf den Strassen, trotzdem frage ich mich an einigen Stellen wie unoffiziell das wirklich ist?! Auch bei YouTube finden sich zahlreiche Videoclips die eben NICHT im Film selbst zu sehen sind – da schert man sich bestimmt bei der Filmfirma nur wenig um die Verletzung von Urheberrechten, sondern freut sich über frisch rekrutierte Kinobesucher. Woher kommen denn die ganzen Schnipsel, die nicht im Film gelandet sind, wie dieser hier? [...]